Lernen in der digitalen Welt: Über die Versuchung, eine Abkürzung zu nehmen & die „Amish Hour“ als Konzentrationsübung. Mein Gespräch mit Timo Riedle

Lernen in der digitalen Welt: Über die Versuchung, eine Abkürzung zu nehmen & die „Amish Hour“ als Konzentrationsübung. Mein Gespräch mit Timo Riedle

Timo Riedle ist einer der Gründer des Startups evalea, das ein ganzheitliches Weiterbildungsmanagement für Unternehmen anbietet. Ein perfekter Gesprächspartner zum Thema „lebenslanges Lernen“. Timo sucht sich selber jedes Jahr ein Themengebiet aus, zu dem er mehr lernen möchte und liest dazu mindestens 10 Sachbücher. Sein aktuelles Thema „positive Psychologie und Schlaf“ ist auch für ihn persönlich relevant, denn durch seine Leidenschaft für amerikanischen Football und Basketball schlägt er sich oft die Nächte um die Ohren, wenn er wieder einmal einer Liveübertragung folgt.

Wir lernen alle viel mehr, als wir glauben

Sobald wir uns einem neuen Thema zuwenden, lernen wir. Seien es nun Fakten oder Fähigkeiten. Gerade letzteres geschieht eher unbewusst. Dies kann ich bestätigen, seit ich den Podcast betreibe, habe ich meine Fähigkeit des aktiven Zuhörens verbessert. „Wichtig ist, dass wir uns bewusst werden, welche Lernerfolge wir erzielt haben: entweder durch Selbstreflektion oder durch die Unterstützung Dritter.“

Müssen wir anders lernen in der digitalen Welt?

Die digitale Welt hat die Notwendigkeiten des Lernens schon verändert. Da das Wissen der Menschheit jederzeit vom Smartphone abrufbar ist, müssen wir weniger Fakten lernen, sondern benötigen vielmehr eine Quellenkompetenz. Wie glaubwürdig ist der Autor dieses Textes? Und wir müssen raus aus unserer Filterblase, andere Standpunkte durchdenken und natürlich müssen wir einen Wissenstransfer schaffen und verschiedene Quellen miteinander verbinden können zu neuen Einsichten.

Die „Amish Hour“ als Konzentrationsübung und gegen die Versuchung, eine Abkürzung zu nehmen

Die Fähigkeit, zu wirklich neuen Erkenntnissen zu kommen, erwirbt man allerdings nicht durch die Eingabe in das Google Suchfenster, sondern durch echte Konzentration und Beschäftigung mit dem Thema. Müssen wir das nicht alle neu lernen in einer Zeit, in der wir im Sekundentakt durch Meldungen auf unserem Smartphone abgelenkt werden? „Die digitale Welt verkürzt unsere Aufmerksamkeitsspanne und führt uns in Versuchung, eine Abkürzung zu nehmen. Zum Beispiel über Blinkist. Ich befolge den Rat eines Freundes: die sogenannte „Amish Hour“: Eine Stunde konzentriert mit einem Thema beschäftigen ohne jegliche andere Ablenkung.“ Die Amish Hour – also die Offline Beschäftigung – zeigt den Weg, etwas zu tun, von dem die Online-Welt nichts mitbekommt. Wir machen etwas wirklich nur für uns selbst.

Wir dürfen auch ruhig einmal keine Meinung haben

Die echte Auseinandersetzung mit einem Thema ist laut Timo fast schon ein Luxus geworden: Keine vorgefertigte Meinung haben, kein wohlklingendes Statement aus dem Internet übernehmen – und es auch einmal auszuhalten, etwas nicht zu verstehen, keinen Standpunkt zu haben oder noch unschlüssig zu sein. 

Wichtigstes Lernziel: Anpassungsfähigkeit

Laut Timo ist aus Unternehmenssicht eine schnelle Adaptionsfähigkeit die größte Aufgabe in der Zeit des steten Wandels. Lange Planungszyklen sind immer weniger umsetzbar, wir müssen diese Grundsicherheit aufgeben und damit umgehen lernen. Die geringe Planbarkeit wird nie wieder weggehen. Eine Vorlage, die von allen übernommen werden kann, gibt es nicht. Jedes Unternehmen muss seinen individuellen Weg finden. 

Mehr informelles Lernen

Dass sich so etwas schwer Greifbares wie „Anpassungsfähigkeit“ nicht in einem Seminar mit Frontalunterricht oder gar als E-Learning erlernen lässt, ist fast selbsterklärend. Es wird eher informell gelernt und über Vernetzung – sei es digital oder analog. Ein digitaler Lernkanal ist Twitter, eine analoge Methode ist „Working out Loud“. Damit befähige ich Menschen, sich gegenseitig zu helfen und eigene Ziele zu erreichen. Gerade die soziale Kompetenz wird in Zeiten, in der wiederholende Aufgaben in fast allen Berufen von Maschinen übernommen werden, immer wichtiger. Denn das, was an Arbeit für den Menschen übrig bleibt, ist das, was uns als Menschen ausmacht. Eigentlich eine wunderbare Vorstellung, die allerdings von uns eine neue Beschäftigung mit uns selbst erfordert. 

Dies bedeutet, dass richtig eingesetzte Persönlichkeitstest sehr hilfreich sein können. Vorausgesetzt, es gibt keine Wertung: z.B. Extraversion sei wünschenswerter als Intraversion. Wichtig ist, die passende Aufgabe für die eigene Persönlichkeit zu finden. 

Wie immer, ist dies nur ein kurzer Abriss über die Themen dieser Episode. Wenn Sie mehr hören wollen, geben Sie sich die aktuelle Folge auf die Ohren:

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